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Veröffentlicht am: 28.03.2025
Interview mit unserem Ergotherapie-Team
Inga Neckel - Inhaberin, 11 Jahre Ergotherapeutin
Kira Fischer - Fachleitung, 7 Jahre Ergotherapeutin
Sabrina Hinz - Fachleitung Neurologie, 14 Jahre Ergotherapeutin
Lisanne Teßnow - 3 Jahre Ergotherapeutin
Louisa Moldenhauer - seit September 2024 Ergotherapeutin
Jette Rohde - seit November 2024 Ergotherapeutin
1. Warum seid ihr Ergotherapeuten geworden?
Wir wollten mit unserem Beruf etwas bewegen und Freude an einer abwechslungsreichen Arbeit haben. Da wir den Wunsch in uns tragen, Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Außerdem hatten wir bereits ein großes Interesse an Medizin. Die physiologischen/pathologischen Vorgänge und die daraus resultierenden Krankheitsbilder. Uns war bewusst, dass es in der Ergotherapie kein Schema “F" gibt, sondern jeder individuell betrachtet werden muss, was den Beruf des Ergotherapeuten so interessant, kreativ und ganzheitlich macht.
2. Was begeistert Euch am meisten an Eurem Beruf?
Die Vielseitigkeit
Mit Menschen zu Arbeiten und etwas über ihre Geschichte zu erfahren
Die ganzheitliche und alltagsnahe Arbeit
Patienten zu stützen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu sein
Die Kreativität, Freude und individuellen Ressourcen, vor allem in der Kindertherapie
Die sichtbaren Erfolge sowie die Rückmeldungen der Patienten über Verbesserung/ Fortschritt im Alltag beispielsweise in der Handtherapie
Die spürbare Dankbarkeit der Patienten
Die interdisziplinäre zusammenarbeit von Physio/ Ergo und Logopädie
3. Habt ihr immer in einer Praxis gearbeitet?
Ja, die meisten von uns haben fast ausschließlich in einer Praxis gearbeitet.
Frau Hinz hat vorher 10 Jahre in einer Neurorehabilitationsklinik und danach 2,5 Jahre in einem neurologischen Akutkrankenhaus gearbeitet.
4. Was bringt ihr mit, um eure Patientinnen und Patienten zu motivieren und zu begeistern?
geballtes Fachwissen
Leidenschaft
viel Energie
Freundlichkeit
Offenheit
Humor
Freude am Beruf
Motivationsfähigkeit
Vorbildfunktion u.a. im sportlichen Bereich
Optimistisches Denken
5. Welche Themenbereiche / Krankheitsbilder / Erkrankungen begeistern euch bzw. liegen euch am meisten am Herzen?
Wir sind in fast allen Fachgebieten zu Hause, haben uns aber auch individuell spezialisiert.
Frau Hinz fühlt sich in der Neurologie absolut zu Hause. Die Kindertherapie hat es ihr angetan und sie möchte in Zukunft auch mit Säuglingen arbeiten.
Frau Fischers und Frau Rohdes Herzen schlagen für die Kindertherapie.
Frau Moldenhauer fühlt sich in den Bereichen Persönlichkeits- und Entwicklungsstörungen sowie ADHS bei Frauen sicher.
Frau Teßnow und Frau Neckel finden sich in der Handtherapie wieder, aber auch in der Kindertherapie oder Neurologie.
6. Als Ergotherapeut muss man sich regelmäßig fortbilden. Welche Fortbildungen habt ihr bereits besucht?
Zu den bisher durchgeführten Fortbildungen gehören (um nur einige zu nennen)
Handtherapie
orofaziale Tonusregulation nach Brondo
verhaltenstherapeutischer Trainer
Tapen
Bobath 24 – Stunden Konzept
Motorik Kompakt für Kids
Elternarbeit in der Therapie
ADHS
Bio – Neurofeedback
SI, Bobath und Affolter in der Pädiatrie
frühkindliche Reflexe
Autismus Grundkurs
Traumatherapie
Basale Stimulation
Rollstuhlanpassung und Training
Bobath Erwachsene
Affolter Modell
HODT Grund- und Vertiefungskurs
LSVT BIG
7. Was macht man in der Ergotherapie?
In der Ergotherapie ist alles möglich, auch wenn man vielleicht noch das Bild von früher im Kopf hat, „da wird nur gebastelt“, das trifft jedoch schon lange nicht mehr zu. Moderne Ergotherapie ist viel komplexer und bietet viele Möglichkeiten, auf die Individualität des Patienten einzugehen, z.B. durch den Einsatz digitaler Kommunikations- und Therapiesoftware, aber auch durch individuelle Hausübungsprogramme und Präventionsberatung. Moderne Ergotherapie betrachtet den ganzen Menschen und nicht nur das Krankheitsbild.
Aber natürlich spielen oder basteln wir auch, wenn es zum gewünschten Therapieerfolg führt. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir individuell auf den Patienten/ das Krankheitsbild einwirken, so dass er gestärkt und zufriedener ist, damit er im Alltag besser zurechtkommt.
8. Welche Geschichten/ Erfolge sind euch in Erinnerung geblieben?
Inga Neckel: „Eine Patientin hatte gleich mehrere Diagnosen, u.a. Arthrose und Rheuma. Sie konnte ihre Finger kaum noch beugen und wollte alles für ihre „Bewegungsfreiheit“ tun. Sie kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter zurück, treibt heute täglich Sport und ist mit ihren über 80 Jahren fitter als manche 30-Jährige. Was hat sie mit ihrer neu gewonnenen Freiheit gemacht? Sie hat ihre Schwester aus dem Pflegeheim zu sich geholt und unterstützt sie nun im Alltag“.
Kira Fischer: „Ich erinnere mich an viele Erfolge meiner Patienten. Immer dann, wenn ein Stück mehr Selbstständigkeit erreicht wurde. Besonders beeindruckt hat mich ein Fall, bei dem ein Patient erst im Rollstuhl im Pflegeheim war und dann mit dem Rollator wieder nach Hause konnte. Aber auch Erfolge bei meinen kleinen Patienten berühren mich, wenn sie zum Beispiel nicht gerne in die Schule gegangen sind, weil das Stillsitzen und Schreiben so anstrengend war und sie im Laufe der Zeit Spaß an der Schule gefunden haben”.
Sabrina Hinz: „Ich erinnere mich an Patienten, die nach Jahren zu mir in die Neuroklinik kamen und sich dafür bedankten, dass ich mit ihnen die schwere und schwierige Anfangszeit durchgestanden habe“.
9. Wie wird man Ergotherapeut?
Die Ausbildung zum Ergotherapeuten erfolgt in Form einer schulischen Ausbildung oder eines Studiums.
Dauer und Abschluss:
Die schulische Ausbildung dauert in der Regel 3 Jahre und endet mit einem staatlich anerkannten Abschluss.
Ein Studium dauert meist sechs bis acht Semester (was 3 bis 4 Jahren entspricht) und führt zu einem akademischen Abschluss, wie dem Bachelor of Science.
Inhalte:
In der Ausbildung liegt der Fokus auf praktischen Fähigkeiten und der direkten Anwendung von ergotherapeutischen Methoden.
Im Studium wird zusätzlich wissenschaftliches Grundlagenwissen vermittelt, das eine tiefere theoretische Auseinandersetzung mit dem Fachgebiet ermöglicht.
Berufliche Perspektiven:
Beide Wege bieten gute Berufsaussichten in Deutschland. Ein Studium ist jedoch international oft anerkannter und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, wie Führungspositionen oder wissenschaftliche Karrieren.
Kosten:
Die Ausbildung ist in Schleswig-Holstein seit Januar 2019 kostenfrei.
Ein Studium erfordert in der Regel Studiengebühren, die je nach Hochschule variieren können.
Praxisanteil:
Beide Wege beinhalten praktische Anteile, jedoch ist der Praxisbezug in der Ausbildung oft intensiver.
10. Welche Eigenschaften sollte ich für eine Ausbildung oder Studium zum Ergotherapeuten mitbringen?
Allgemeine Eigenschaften:
Empathie
Geduld
Teamfähigkeit
Kreativität
Kommunikationsstärke
Belastbarkeit
Eigenschaften für die schulische Ausbildung:
Praktische Veranlagung
Anpassungsfähigkeit
Eigenschaften für die das Studium:
Interesse an Wissenschaft und Theorie
Eigenverantwortung
Analytisches Denken
11. Warum lohnt es sich, Ergotherapeut/in zu werden?
Man hat die Möglichkeit, viele Leben positiv zu beeinflussen, man lernt Fähigkeiten, die auch im Alltag eine Bereicherung für einen selbst und die Menschen im eigenen Umfeld sind.
Es ist ein Beruf, der sich ständig weiterentwickelt und nie langweilig wird.
12. Wenn ihr drei Wünsche frei hättest, welche wären es?
weniger Bürokratie bei den Verordnungen
Therapie für jeden der sie möchte
Das Unternehmen früher/ überhaupt auf gesundheitliche Probleme ihrer Mitarbeiter rücksicht nehmen